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Landin hält überirdisch im Derby

Foto: Lächler

1.Bundesliga
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Der THW Kiel hat das 103. Derby klar dominiert: Am Sonntagnachmittag feierten die Kieler einen deutlichen 29:21 (12:10)-Erfolg gegen die SG Flensburg-Handewitt, packten damit auch der bisher letzten verlustpunkfreien Mannschaft der LIQUI MOLY HBL die ersten Minuspunkte aufs Konto und kehrten ihrerseits acht Tage nach dem Debakel in Wetzlar eindrucksvoll zurück in die Erfolgsspur.

In der erstmals zu Corona-Zeiten mit 2400 Zuschauern ausverkauften Wunderino Arena lieferte Niklas Landin 26 Tage nach seiner Meniskus-Operation eine Gala-Vorstellung ab: In seinem ersten Pflichtspiel der Saison stoppte der "Welthandballer 2019" gleich 20 gegnerische Würfe. Beste Torschützen in Schwarz-Weiß waren indes Harald Reinkind und Kapitän Domagoj Duvnjak mit je fünf Treffern.

Fans und Spieler waren heiß auf diese Partie: Schon beim Weg zum Warmmachen bekamen die Zebras die Unterstützung ihrer Fans, die besonders laut jubelten, als Niklas Landin und Sander Sagosen im Trikot auf die "Platte" auftauchten. Bis zuletzt hatte die medizinische Abteilung des Rekordmeisters alles dafür getan, dass der Kapitän und der norwegische Neuzugang diese Partie mitgestalten konnten. Bis zuletzt war allerdings auch unklar, ob sie den Wettlauf mit der Zeit gewinnen würden - sie taten es. Landin rückte sogar in die Start-Aufstellung und drückte diesem Derby schnell seinen Stempel auf: Seine Paraden gegen Wannes Konter und den frei vor ihm auftauchenden Pelko sorgten für Jubel bei den 2400, die dem Landes-Duell mit ihrer Stimmung eine einzigartige Atmosphäre verliehen. Trotzdem ging die SG beim 4:3 durch Röd erstmals in Führung - es sollte die einzige während der gesamten Partie bleiben.

Denn der THW Kiel war präsent, stellte dem ersatzgeschwächten und Rivalen einen konsequenten Abwehrriegel entgegen, der Schwerstarbeit verrichtete. Und die mit Ballgewinnen und Paraden schnelle Tore möglich machte: Ekberg zum 6:5, Zarabec mit einem Schlagwurf zum 7:5, Duvnjak nach eigenem Steal zum 8:5. Aber die Zebras hatten auch im gebundenen Spiel Lösungen im Angriff parat: So wie bei Wienceks artistischem 9:6, das der starke Harald Reinkind ebenso artistisch vorbereitet hatte. Oder im Zusammenspiel mit Sagosen und Reinkind, das beim 10:6 die erste Vier-Tore-Führung des THW Kiel bedeutete. Trotz der optischen Überlegenheit konnte man die SG allerdings - noch - nicht nachhaltig in die Schranken verweisen. Weil auch Bergerud im Flensburger Kasten einen guten Tag erwischt hatte, weil der Vizemeister die Kieler Fehler bestrafte. Beim 8:10 war Flensburg wieder dran, der THW konterte mit zwei grandiosen Landin-Paraden sowe Duvnjaks energischem Wurf aufs leere SG-Tor und Reinkinds wuchtigem 12:8 in Unterzahl. Da aber die letzten zwei Aktionen den Gästen gehörten, blieb dieses Derby richtig spannend.

Der Beginn des zweiten Durchgangs wurde dann zu einem echten Spektakel in Schwarz und Weiß: Pavel Horak blockte in Weltklasse-Manier einen Röd-Versuch, Magnus Landin traf zum 13:10. Bruder Niklas hielt einen freien Wurf von Semper, Steffen Weinhold netzte ansatzlos zum 14:10 ein. Wieder war Landin gegen Semper zur Stelle, Sagosen erzielte in Unterzahl das 15:10. Dann versenkte Ekberg einen Strafwurf, ehe Landin gegen Wanne einen ebensolchen enntschärfte und der kreative Wirbelwind Zarabec nach einem furiosen Wackler das 17:10 erzielte. Die Arena - längst ein Tollhaus, dem die reduzierte Zuschauerzahl beinahe nicht anzumerken war. Fast sieben Minuten dauerte es, bis die SG durch Semper wieder etwas Zählbares aufs Tableau brachte.  

Ein Vorsprung, den die Zebras nicht mehr aus der Hand gaben. Weil sie in Überzahl immer einen freien Mann fanden - wie bei Weinholds 20:13 und Pekelers 21:14 nach traumhaftem Zarabec-Bodenpass - , weil Landin weiter seine Gegner entnervte und seinen Emotionen freien Lauf ließ, weil die Kieler mit großem Willen und riesigem Einsatz zu Ballgewinnen kamen, die Dahmke und Ekberg beim 26:18 erstmals in eine Acht-Tore-Führung ummünzten. Und weil dieses Derby neben den Comebacks noch weitere tolle Geschichten schrieb: Mattias Andersson, heute "nur" auf der Bank, dürfte sich künftig mit 42 Jahren und 203 Tagen als "ältester Kieler Derbygewinner" bezeichnen, und Bevan Calvert im Alter von 34 Jahren seine Tor-Premiere in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga feiern: Bei seinem Treffer zum 27:19 freuten sich nicht nur die Fans, auch die komplette Kieler Bank jubelte ausgelassen. Und als Neuzugang Oskar Sunnefeldt in der Abwehr den Ball klaute, dann Calvert spektakulär anspielte und der Australier zum 29:21-Endstand traf, feierte wohl ganz Kiel einen der deutlichesten und souveränsten Derby-Siege der vergangenen Jahre. 

Nach einer Woche Zwangspause sind die Zebras jetzt erst einmal wieder in der EHF Champions league gefragt: Am Mittwoch treten sie beim dänischen Topclub Aalborg Handbold (18:45 Uhr, live beim Streamingdienst DAZN) an. Die Mannschaft um den international erfahrenen Henrik Möllgaard und den ehemaligen Magdeburger Mads Christiansen glänzt in der Vorrunden-Gruppe B mit einer weißen Weste: vier Spiele, vier Siege. Zuletzt fegte Aalborg die starken Franzosen von HBC Nantes mit 32:24 (16:9) aus der Jutlander Bank Arena, in der auch am Mittwoch nur 400 Zuschauer zugelassen sein werden. Auf das nächste Heimspiel müssen die schwarz-weißen Fans indes noch ein wenig warten, aber es gibt schon Karten für die Partien gegen Veszprem (28.10., 18:45 Uhr) und Minden (1.11., 16 Uhr). Weiter geht's erst einmal auswärts in der Königsklasse, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 4. SPIELTAG: THW KIEL - SG FLENSBURG-HANDEWITT: 29:21 (12:10)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 20/1 Paraden), Quenstedt (n.e.), Andersson (n.e.); Duvnjak (4), Sagosen (1), Reinkind (5), M. Landin (1), Sunnefeldt, Weinhold (3), Wiencek (2), Ekberg (5/1), Dahmke (1), Zarabec (2), Calvert (2), Horak, Pekeler (3); Trainer: Jicha

SG Flensburg-Handewitt: Buric (n.e.), Bergerud (1.-60., 11/1 Paraden); Hald, Svan (1), Wanne (3), Jöndal, Steinhauser (1), Heinl, Mensah, Sögard (2), Gottfridsson (7), Holpert, Semper (3), Pelko (1), Röd (2); Trainer: Machulla

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies
Zeitstrafen: THW: 4 (2x Pekeler (23., 27.), Horak (33.), Ekberg (36.)) / SG: 7 (2x Hald (8., 19.), Svan (25.), Gottfridsson (38.), 2x Heinl (43., 60.), Röd (49.))
Siebenmeter: THW: 3/1 (Bergerud hält Sagosen (8.), Ekberg an den Pfosten (60.)) / SG: 1/0 (Landin hält Wanne (36.))
Spielfilm: 1:0, 3:2 (5.), 3:4 (7.), 5:4 (10.), 5:5, 8:5 (18.), 10:6 (21.), 10:8 (23.), 12:8 (28.), 12:10; 17:10 (37.), 19:12 (42.), 22:15 (45.), 24:18, 26:18 (54.), 28:19 (56.), 28:21 (58.), 29:21.
Zuschauer: 2400 (ausverkauft) (Wunderino Arena, Kiel)

THW-Trainer Filip Jicha: Die letzten Tage nach dem Wetzlar-Spiel waren brutal für Körper und Geist. Deshalb haben wir uns so auf das heutige Spiel gefreut. Vorab möchte ich der medizinischen Abteilung und unserem Athletiktrainer danken, dass sie in den vergangenen Tagen so intensiv mit unseren Verletzten gearbeitet haben. Wir haben natürlich auch Glück gehabt, dass Sander und Niklas sehr gut auf die Belastungssteigerung in der Reha und im Training reagiert haben. Ich bin froh, dass beide zurück sind. Für Niklas Landin freut es mich persönlich, dass sich heute in seinem ersten Pflichtspiel so in einen Rausch spielen konnte. Aber auch die Abwehr hat schlau gearbeitet, mit steigendem Selbstvertrauen hat sie den Flensburgern Wurffallen gestellt, sodass wir die Würfe aus den Positionen bekommen haben, auf die wir vorbereitet waren. Insgesamt habe ich mich heute über einen Auftritt meiner Mannschaft gefreut, der unsere Werte als THW Kiel vertritt. Das war mir enorm wichtig. Wir waren fleißig, haben gearbeitet und uns von einer ganz anderen Seite als zuletzt präsentiert.

SG-Trainer Maik Machulla: Glückwunsch zum Sieg, der auch in der Höhe verdient war. Um es kurz zu machen: Wir haben heute gegen Niklas Landin verloren, der mit einer außergewöhnlichen Leistung gezeigt hat, dass er einer der allerbesten Torhüter weltweit ist. Bis zum Torwurf war unsere Leistung nicht schlecht: Wir haben uns Chancen erarbeitet, aber mit unserer Chancenverwertung heute gewinnst du gegen keine Mannschaft der Welt. Trotzdem mache ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf, wir haben sehr leidenschaftlich verteidigt, haben aggressiv gearbeitet. Aber man hat deutlich gemerkt, dass einige meiner Spieler auf Positionen ran mussten, auf denen sie nicht zu Hause sind. Da lastet sehr viel Verantwortung auf wenigen Schultern. Deswegen wäre es umso wichtiger gewesen, dass wir unsere Möglichkeiten nutzen.

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