Kiel in Weißrussland gefordert

Foto: Heinz Zaunbrecher

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Stressige Tage für die Zebras: Nur rund 45 Stunden nach dem Abpfiff der Partie beim HBW Balingen-Weilstetten wird das vorletzte Königsklassen-Vorrundenspiel beim HC Meshkov Brest angepfiffen.

Dazwischen: Mehr als 1300 Reise-Kilometer, die der THW Kiel am Freitag vom Stuttgarter Flughafen aus mit einer Chartermaschine nach Weißrussland hinter sich bringen wird. Am Samstag dann geht es um 17:30 Uhr MEZ in der "Victoria Sportshall" für die Kieler um zwei Punkte in der VELUX EHF Champions League. Sky überträgt die Begegnung live.

Der Druck liegt am Samstag klar auf Seiten der Gastgeber: Nur mit zwei Siegen in den ausstehenden zwei Gruppenspielen hat der HC Meshkov Brest noch eine Chance auf die Achtelfinal-Teilnahme - und das nur, wenn der FC Porto nebem dem direkten Duell auch das Heimspiel gegen den Titelverteidiger HC Vardar verliert. Eine bessere Ausgangssituation für das Finale der Gruppenphase verspielte der weißrussische Meister auf fremden Plätzen: Erst Erst am vorletzten Spieltag gelang der Mannschaft des ehemaligen THW-Co-Trainers Raul Alsonso mit dem 36:33 in Zaporozhye der erste Auswärtssieg in der Königsklasse. Zuvor hatte der HC Meshkov Brest saisonübergreifend satte zwölf "VELUX EHF Champions League"-Auswärtsspiele in Folge verloren - darunter auch das Hinspiel in Kiel, in dem die Zebras nach knapper Pausenführung letztlich deutlich mit 31:23 (siehe Spielbericht) triumphierten. "Wir sind glücklich mit dem Resultat, aber ehrlicherweise hat Brest das heute richtig gut gemacht", hatte THW-Trainer Filip Jicha nach dem Hinspiel durchgeatmet.

Die "Victoria Sportshall" mit ihren rund 3800 Plätzen ist hingegen für den HC Meshkov Brest das Pfund, mit dem man auch in der Königsklasse wuchern kann. Denn vor den eigenen Fans lieferten die Weißrussen, deren Kader wir bereits im Vorbericht zum Hinspiel ausführlich vorgestellt hatten, starke Leistungen in Serie ab. Gleich zum Auftakt musste das favoristierte Team von Montpellier HB richtig kämpfen, um beim 27:25 beide Punkte mit auf die Heimreise nach Frankreich nehmen zu können. Und auch Kielce tat sich beim 31:27 lange Zeit schwer in der 300.000-Einwohner-Stadt an der Grenze zu Polen. Der Titelverteidiger HC Vardar, damals noch in Bestbesetzung, wurde mit 31:22 überrollt, und auch Zaporozhye hatte in Brest keine Chance. Da die beiden noch ausstehenden Partien des HC Meshkov gegen den THW und den FC Porto beide vor den eigenen Fans ausgetragen werden, macht man sich in Brest noch immer leise Hoffnungen auf das Achtelfinale, das vor der Saison als Ziel ausgegeben worden war. Helfen soll auf jeden Fall der französische Weltmeister und Olympiasieger William Accambray, aber auch Alexander Shkurinskiy: Der russische Halblinke ist mit 48 Treffern erfolgreichster Torschütze des kommenden THW-Gegners.

Ein besonderes Spiel wartet am Samstag auf Raul Alonso: Der Meshkov-Trainer arbeitete von Dezember 2009 bis Juni 2015 mehr als fünf Jahre für den THW Kiel, betreute als Co-Trainer damals unter anderem auch das heutige Kieler Trainer-Gespann aus Christian Sprenger und Filip Jicha. Jetzt will Alonso aber alles dafür tun, um der blitzsauberen weißen Weste der Kieler im achten direkten Duell beider Mannschaften endlich einen Fleck zu verpassen (siehe auch Gegnerstatistik HC Meshkov Brest im THW-Archiv). Diese verteidigen möchte natürlich Pavel Horak - auch für den Tschechen wird die Partie keine ganz gewöhnliche werden. Zwei Jahre verbrachte der inzwischen 37-jährige Kieler vor seinem Wechsel in die Landeshauptstadt in Brest, hat dort viele Freunde und Bekannte. "Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meinen ehemaligen Teamkollegen", sagt Horak. "Ein bisschen schade ist, dass wir keine Zeit haben, um sie abseits der Halle zu treffen." Denn das Programm des THW Kiel in Brest ist eng getaktet: Mit der "Private Wings"-Chartermaschine landet der deutsche Rekordmeister am Freitagnachmittag (Ortszeit) auf dem Regionalflughafen in Brest, am Abend steht eine Trainingseinheit in der "Victoria Sportshall" auf dem Programm. Nach dem Spiel geht es dann direkt aus der Halle wieder zum Flughafen und von dort zurück nach Kiel.

Nicht mit an Bord sein wird Nikola Bilyk, der aufgrund eines fiebrigen Infekts bereits das Spiel in Balingen verpasst hatte. Ansonsten sind alle Kieler in Weißrussland am Start. "Wir können dort ohne Druck spielen, viel rotieren und eventuell auch etwas probieren", sagt Lukas Nilsson im Hinblick auf den bereits feststehenden Gruppensieg des THW Kiel. "Wir freuen uns auf dieses Champions-League-Spiel. Aber es wird keine 'Klassenfahrt': Wir wollen jedes Spiel gewinnen - auch in Brest." Das unterstreicht auch Filip Jicha: "Es ist unser Anspruch, jede Aufgabe seriös anzugehen und in jedem Spiel mit vollem Fokus unsere Aufgaben abzuarbeiten. Das erwarte ich von meiner Mannschaft auch in Brest. Wir können dort befreit aufspielen, Dinge testen. Das ist ein Privileg, das sich die Mannschaft erspielt hat."

Anwurf ist am Samstag um 17:30 Uhr MEZ (19:30 Uhr Ortszeit), geleitet wird die Begegnung von den beiden Franzosen Karim und Raouf Gasmi. Als Vertreter der EHF reist der Ukrainer Viktor Konopliastyi nach Brest. Sky überträgt wie gewohnt live, mit Sky Ticket kann man auch ohne Monatsabo das Spiel sehen. Auf geht's nach Brest, Kiel!